Wie Sardinen in der Dose …
 

Bildungsportal Schulkritik

 

Fließbandschüler in Massenschulen

 

Ursachen der Bildungsmisere (Teil 1)

Der Fortschritt zeigte sich in Hochhaus- und Plattenbausiedlungen, gigantischen Krankenhäusern, abgelegenen Behördenzentren, Massen-Universitäten und Schulzentren mit bis zu zweitausend Schülern – doch die Bevölkerung verschmäht das Zukunftsideal der 60er und 70er-Jahre und wünscht sich statt dessen überschaubare, weniger anonyme, zentral gelegene und gut erreichbare Einheiten.

Politiker geben sich gerne fortschrittlich. Hierzu gehört es unter anderem, betriebswirtschaftlich zu denken und Behörden in der Art von Wirtschaftsunternehmen zu führen. Doch völlig überrascht erfahren ahnungslose Volksvertreter immer wieder neu, was längst bekannt ist: Gewinnmaximierung und Dienst am Bürger erweisen sich als unverträglich und die gewünschten Strukturen können in festgefahrenen und verfilzten Hierarchien unter Berücksichtigung von Parteiinteressen und Lobbyisten mit einem unbeweglichen und bürokratischen Beamtenapparat nicht verwirklicht werden.

Was übrig bleibt, ist jene staatliche Pseudo-Wirtschaftsorientierung, die allein zu geldwertem und machterhaltendem Vorteil gereicht. Bewährte Beispiele sind Ausgabenkürzung, Personal- und Serviceabbau, populistische Vorzeigeprojekte und vor allem das Größenwachstum mit dem Ziel vermeintlicher Gewinnmaximierung oder Ausgabenminimierung – nicht allein bei ehemaligen Staatsbetrieben.

[ Marktkorb Nr. 31 vom 30.7.2008]

Investitionen für Verdichtung in großen Schulzentren und Massenschulen werden der Bevölkerung als „Ausgaben für die Bildung” angepriesen. Probleme bleiben nicht aus (Berichte unter: www.schulkritik-hessen.de)

Die Auflösung kleinerer Schulen zugunsten von großdimensionierten Schulzentren mit bis zu 3.000 Schülern gehört dazu. Als Vorteile solcher Massenschulen werden u. a. genannt: eingesparte Unterhaltungskosten der nicht mehr benötigten Schulgebäude, Möglichkeiten einer gerechteren Verteilung der Lehrkräfte und eines breiteren Angebots an Fächern, Raum (Aula) und Lehrmaterial (früher Sprachlabor und Bibliothek; heute auch Computer und naturwissenschaftliche Einrichtungen).

„Kinder haben zu wenig Zeit für ihre Väter”

Doch nur oberflächlich gesehen erscheint der sparsame Umgang mit den Steuergeldern lobenswert. Zentrale Schulzentren entlasten den Schulträger, während die Eltern schulpflichtiger Kinder finanzielle Mehrbelastungen in oft erheblichem Umfang aufbringen müssen. Zwar werden Fahrtkosten bis zum Ende der Mittelstufe von der öffentlichen Hand übernommen – sollte ein Schüler aber Lust auf noch mehr Bildung verspüren, auf eine weiterführende Schule wechseln wollen oder gar das Abitur anstreben, wird in zahlreichen Bundesländern zur Kasse gebeten: die gesamten Fahrtkosten haben dann allein die Eltern zu tragen!

Betrachtet man das Größenwachstum markt- und volkswirtschaftlich, handelt es sich in den meisten Fällen um keine Einsparung, sondern um die Verlagerung von Kosten des Schulträgers direkt auf den einzelnen Bürger – was nicht selten mit insgesamt erheblichen Mehrkosten und weiteren Nachteilen verbunden ist. Die Wege sind nun insgesamt länger: Schüler, die ihre Schule ehemals zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichten, müssen zu einem zentralen Schulzentrum mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen (Umweltbelastung, erhöhter Energieaufwand). Die für Lernen und Freizeit zur Verfügung stehende Zeit wird eingeschränkt. Steht eine Umwandlung in Ganztagsschulen an, müssen Schüler in den eilig hinzugebauten Kantinen – an welche früher noch niemand dachte – auch noch verpflegt werden. Nach Hause kommen sie oft später als ihr Vater von seinem Arbeitsplatz. So wandelt sich dann auch das Vorurteil, Väter hätten zu wenig Zeit für ihre Kinder: Kinder haben nun zu wenig Zeit für ihre Väter!

Ausgaben für „Bildung“

„Mehr Geld für Bildung“ wird überall verlangt und überall gewährt. Zu erwarten wäre eine – den Ausgaben entsprechende – Steigerung der Qualität von Bildung und Ausbildung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Schulen, Hochschulen und Beruf. Doch diese ist noch nicht erkennbar.

Ein großer Teil der „Bildungsausgaben“ wird für Bau- und Umbaumaßnahmen von großdimensionierten Schulzentren verwendet – womit Bemühungen um eine bessere Bildungsqualität nicht gefördert, sondern geradewegs behindert werden. Politiker erregen sich über Anonymität, Werteverlust, Sittenverfall und zunehmende Gewalt. Doch was im Wohnungsbau aus gerade diesen Gründen längst verpöhnt ist, wird den Schülern noch immer zugemutet: Erkenntnisse über Sozialverhalten und Aggressivität in räumlicher Enge (in Teil 2) finden kaum Beachtung.

Von zentraler Bedeutung sind in diesem Zusammenhang auch die mit dem Bevölkerungsrückgang und der Landflucht zusammenhängenden Probleme (siehe Teil 3: Bausünden von gestern und Landflucht von heute).

„Schwarzer Peter”

Die Behebung des deutschen Bildungselends ist schwierig, weil zahlreiche Ursachen gleichzeitig wirken und das Gesamtproblem durch einzelne Maßnahmen nicht zu lösen ist. Überlagert wird das Ganze durch eine Vielzahl von Forderungen und Ablenkungs-Maßnahmen, die zu keinen oder nur geringen Verbesserungen führen.

Sind unangenehme oder teure Aufgaben zu erledigen, ist es sinnvoll, diese in ein großes Netz von Hierarchien und Zuständigkeiten zu übertragen. So kann der „Schwarze Verantwortungs-Peter” hin und her geschoben werden.

Eines der Beispiele sind jene Bestimmungen und Richtwerte („Mindestzügigkeiten”), die Schul- und Klassengröße festlegen. Übergeordnete Behörden (zumeist Regierungspräsidien) wachen dann unter Aufsicht der Finanzverwaltung (Landesrechnungshof) darüber, daß die Landkreise alle Potentiale zum Einsparen und alle Möglichkeiten zur Einnahmeverbesserung ausschöpfen. Nicht nur die Landkreise (sie sind zumeist auch Schulträger) werden so in ihrem Handlungsspielraum beschränkt, sondern vor allem auch die (künftig „eigenständigeren”) Schulen selbst. Im Grunde geht es also nicht um optimale Förderung der Bildung, sondern nur ums Geldsparen!

Wichtigste Kriterien für die Festlegung der Schul- und Klassengröße sind technisch-organisatorischer Art (z. B. die räumliche Verteilung der Lehrer). Dagegen spielen Verhaltensbiologie, optimale Förderung der Schüler, Erhöhung des Bildungserfolgs (Schul- und Klassengröße) oder die Herstellung von Bildungsgerechtigkeit (Stadt/Land) nahezu keine Rolle – ebenso wie bei den Baumaßnahmen der Schulträger!

Es ist ja so bequem, solche Vorschriften und Auflagen einfach abzuhaken und ebenso dreist, sich auch noch damit aufzublasen: „Bildung ist uns das wert” (Zeitungsauschnitt oben).

 

pdf (in Arbeit) / A103 / 16.10.08



www.schulkritik.de (16.10.08)

Sozialverhalten und Aggressivität in räumlicher Enge

Ursachen der Bildungsmisere (Teil 2)

Lernziel staatlicher Schulen: Ergebnisse der Verhaltensforschung, wie sie jeder Biologielehrer kennt und seinen Schülern vermittelt, können nach der Schulzeit getrost vergessen werden! Parteien, Volksvertreter und Verwaltungsbeamte geben das Vorbild und rühmen sich mit Entscheidungen, in denen sie allgemein bekannten Forschungsergebnissen bewußt zuwiderhandeln.…weiter


www.schülerkritik.de (16.10.08)

Der Joker in Krisenzeiten

Rohstoff „Bildung” als Überlebensstrategie

Globale Krisen betreffen auch uns! Heute stehen Klimawandel, Umweltprobleme, Mangel an Rohstoff- und Energieressourcen oder Bankenkrise und Weltwirtschaft im Vordergrund, morgen ist es die „Ernährung”. Was kann ein einzelner Schüler dagegen tun? Sehr viel – für sich selbst und die Gemeinschaft! „Bildung“ heißt das Schlüsselwort!…weiter


www.lehrerkritik.de (16.10.08)

Lehrer verbessern ihr Image

Schulkritik-Portal schafft Möglichkeiten

Es gibt gute und schlechte Lehrer. Doch in der Öffentlichkeit sind vor allem die schlechten präsent und prägen das Berufsbild. Erstaunlich, daß die guten Lehrer es einfach hinnehmen, daß die schlechten ihren Ruf noch weiter ruinieren. Können sie sich nicht durchsetzen? Durch stärkeren Wettbewerb könnte dieses Problem behoben werden!.…weiter


www.schulkritik-hessen.de (16.10.08)

Manager-Qualitäten hessischer Schulleiter

„Ende einer Dienstfahrt” – Abschlußbesprechung zur Schulinspektion

Eine Schulinspektion kann sich zur ersten großen Bewährungsprobe für den angehenden Schulleitermanager entwickeln. Hier ist kein Lehrfachwissen, sondern vor allem Fingerspitzengefühl verlangt. Wer sich nicht ausreichend vorbereitet, allzu offensichtlich aufbläst und zu mogeln versucht, die Inspektoren warten läßt, mit hohlem Geschwätz verärgert und die Radfahrer-Taktik in ihrer früheren und aktuellen Bedeutung bevorzugt, braucht einen guten Sturzhelm. weiter


 

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