| Sozialverhalten und
Aggressivität in räumlicher Enge
Ursachen der
Bildungsmisere (Teil 2)
Lernziel staatlicher
Schulen: Ergebnisse der Verhaltensforschung, wie sie
jeder Biologielehrer kennt und seinen Schülern
vermittelt, können nach der Schulzeit getrost
vergessen werden! Parteien, Volksvertreter und Verwaltungsbeamte
geben das Vorbild und rühmen sich mit Entscheidungen,
mit denen sie allgemein bekannten Forschungsergebnissen
bewußt zuwiderhandeln. |
In
der ethologischen Forschung zum Sozial- und Agressionsverhalten
sind die eigenen Zielvorstellungen neu zu überdenken.
Die derzeitige Situation scheint nicht mehr zeitgemäß.
Menschliche Verhaltensweisen
wurden und werden zwar mit großem Erfolg erforscht
und beschrieben – doch die frühere Vorstellung,
Forschungsergebnisse auch zur Qualitätsverbesserung
in Schule und Unterricht zu verwenden, war offenbar naiv.
Über Lehrer – die wichtigste Schnittstelle zu
den Schülern – gelangt nur wenig in die Praxis,
was nicht allein auf Kommunikationsproblemen beruht. Bildungspolitiker
und ihre Verwaltungsbeamten sind entweder ahnungslos und
damit fachlich disqualifiziert oder sie folgen einer inkompatiblen
politischen Zielrichtung, d. h. Ergebnisse und Empfehlungen
aus dem Forschungsbereich werden wider besseren Wissens
schlichtweg ignoriert, weil sie aus verschiedensten Gründen
„nicht passen“ (siehe: www.wirkungsnetz.de).
Verkommt die Forschung zum Selbstzweck?
Die Auswirkungen von
Sozialverhalten und Aggressivität in räumlicher
Enge sind gut erforscht; Erkenntnisse bei Tieren zeigen
viele Parallelen auch zum menschlichen Verhalten.
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mochero,
„Leipzig, verfallenes Hochhaus“
(Some
rights reserved, s.
Impressum)
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Aus
der Fülle des vorhandenen Materials seien hier
nur einige – für die Schule als wichtig
erscheinende – Themen herausgegriffen und kurz
skizziert.
Beengt
und anonym
Viele Wohnungen
sind aus biologischer Sicht zu klein und damit kinder-
und bildungsfeindlich. Dies beschränkt die individuellen
Entfaltungsmöglichkeiten der Heranwachsenden.
Wechseln betroffene Schüler aus der Beengtheit
ihres häuslichen Umfelds in den Massenbetrieb
staatlicher Bildungseinrichtungen, werden sie auch
hier in überfüllte und beengte (Klassen-)räume
gezwungen. |
Zu enges Zusammenleben
verstärkt Faktoren wie Stress und Aggression und es
kann zu Krankheiten und Verhaltensstörungen kommen.
Schüler geraten in Krisensituationen, die je nach Umstand
individuell verschieden als überschießende Aggressivität,
Unruhe oder Angst erkennbar werden – eine der Ursachen
auch für zahlreiche Gewalttaten an Schulen (u. a. Körperverletzung,
Bedrohung, Einschüchterung, Zerstörung).
In staatlichen Schulzentren
mit großen Schülermassen herrscht eine ähnliche
Anonymität wie in Hochhaussiedlungen.
Schüler lernen Mitschüler, selbst aus einer ihrer
vielen Parallelklassen, nur noch ausnahmsweise kennen. Die
sozialen Kontakte sind an solchen Einrichtungen –
im Vergleich zu kleineren Regionalschulen – erheblich
eingeschränkt. Dies dürfte für einheimische
Schüler in ländlichen Gebieten vielleicht noch
zu verkraften sein, nicht jedoch für zugezogene und
ausländische Mitbürger, vor allem in den größeren
Städten.
Unterstützung
von Gewalt
Der Zusammenhang zwischen
großer Schülerzahl und höherer Gewaltbereitschaft
ist nicht nur auf Beengtheit und Anonymität an sich
zurückzuführen, sondern neben sozialer Entwurzelung,
Orientierungslosigkeit und natürlich weiteren Gründen
auch eine Folge des damit verbundenen Gruppenverhaltens.
Ein einzelner, unangenehm auffallender oder gewaltbereiter
Schüler hat es in einer kleinen Schule mit kleinen
Klassen schwer, sich vor seinen Mitschülern zu profilieren
und diese zu dominieren. In größeren Schulen
mit großen Klassen findet er allein aufgrund der „Schülermasse”
fast immer einige „Anhänger”, die ihn unterstützen.
Aus demselben Grund erleichtert ist an Massenschulen auch
die Bildung von mehr oder weniger gewaltbereiten Zusammenschlüssen
(Peergroups, Cliquen).
Das Gewaltpotential ist
an den großen Massenschulen sehr viel höher als
an kleinen Schulen und erheblich schwieriger in den Griff
zu bekommen. Und bei der nächsten Katastrophe wird
dann wieder gerätselt, wie so etwas nur passieren konnte
– obwohl zumindest eine der Hauptursachen kaum zu
übersehen ist: überdimensionierte Schulen!
Beklagt wird eine –
zumindest subjektiv wahrgenommene – Zunahme der Gewalt
von Schülern gegen Lehrer. Politiker zeigen Aktionismus
und stampfen Präventionsprogramme aus dem Boden: Mit
„Faustlos” oder „Denkzeit” wollen
sie jetzt jene Probleme lösen, deren Ursache sie selbst
zumindest mitverantworten …
Große
Schule – große Klassen
Kleine Schulklassen
sind in großen Schulen die Ausnahme. Grund ist
auch hier die Politik der staatlichen Schulträger
(„Sparen durch betriebswirtschaftliche Haushaltsführung“).
Der Maßstab
ist allzu oft nicht eine biologisch-pädagogisch
sinnvolle Grenze (etwa 12–16 Schüler),
sondern die gesetzlich oder verwaltungsrechtlich erlaubte
Höchstzahl für eine Schulklasse (vielfach
30-33). Mit 90 Schülern werden dann nicht etwa
6 Klassen á 15 Schüler, sondern 3 Klassen
á 30 Schüler eingerichtet. Begrenzend
ist ebenso die festgelegte „Mindestgröße”
von Schulklassen. Auch hier kann eine starre Regelung
dazu führen, daß Klassen mit geringerer
Schülerzahl zusammengezwungen werden und bis
auf 35 Schüler anwachsen (in den meisten Bundesländern).
In großen
Schulen findet man daher überwiegend große
Klassen, die auch bei abnehmender Schülerzahl
nicht kleiner werden: aus Kostengründen vermindert
wird dann lediglich die Klassenzahl, nicht jedoch
die Schülerzahl je Klasse. |
Kleine
Klassen
Die Feststellung, daß
Schüler in kleinen Klassen mit geringer Schülerzahl
besser lernen als in großen Klassen, belegen internationale
Studien. Erstaunlicherweise gibt es aber auch einige nationale
Befunde, die genau das Gegenteil zeigen. Kritiker bemängeln
hier gravierende methodische Fehler und verweisen darauf,
daß die methodisch-didaktische Unterrichtsgestaltung
der Lehrer das Potential von kleineren Klassen nicht ausschöpfte,
was zur Fehlinterpretation führte. Oder anders ausgedrückt:
Unsere Lehrer waren nicht in der Lage, die Vorteile einer
kleinen Klasse in höhere Schüler-Leistung umzusetzen.
Dies wiederum würde die oft beklagten Qualitätsmängel
bei der einheimischen Lehrerschaft bestätigen. Ungeachtet
dessen dienen solche Ergebnisse den Landesregierungen, Aufsichtsämtern
und Behörden als Begründung, mit kleineren Klassen
verbundene Mehrausgaben abzulehnen.
Die Meinungsbildung über
Praxis, Erfahrung und Ergebnisse der Verhaltensforschung
mündet dagegen in einen eindeutigen Vorteil für
die kleinen Klassen. Und der gesunde Menschenverstand kommt
ohne übermäßige Beanspruchung zu einem ähnlichen
Ergebnis:
Der einzelne Schüler
kann sich aufgrund verringerten Störpotentials (Luft,
Lärm, Temperatur) besser konzentrieren, wird intensiver
gefordert und gefördert. Er steht unter stärkerer
Kontrolle, ist eher zur Mitarbeit im Unterricht gezwungen
und hat wenig Gelegenheit, sich „in der Masse“
zu verstecken. Insgesamt ist für ihn der Unterricht
erheblich anstrengender als in großen Klassen –
dafür aber ungleich effektiver!
Lehrer
können ihr Lehrprogramm zielgerichteter und streßfreier
durchführen, aufgrund geringeren Lärmpegels die
Stimme schonen und die Sitzordnung den Lernbedingungen entsprechend
verändern; sie lernen ihre Schüler besser kennen,
beurteilen zumeist gerechter und können mehr Zeit und
Sorgfalt auf die Korrektur der Klassenarbeiten verwenden.
Organisation
Für Schulleiter
stellt sich in den riesigen Schulzentren das Problem, angesichts
der Schüler- und Lehrermassen den Überblick zu
behalten – über die Leistungen der Schüler
in mehreren Parallelklassen jeder einzelnen Jahrgangsstufe
wie auch über das saalfüllende Lehrerkollegium.
Dasselbe gilt für den einzelnen Lehrer, der zahlreiche
Klassen zu betreuen hat und seine Schüler und Kollegen
kaum mehr kennt. Individuelle Förderung ist hier die
Ausnahme! Und auch die Eltern haben in zentralen Schulzentren
eine nur geringe Chance, daß persönliche Anliegen
mit der gewünschten Ernsthaftigkeit und Sorgfalt beachtet
und bearbeitet werden. Ihre Partner sind allzu oft gestresste
und frustrierte Lehrer, die mit ihren eigenen Problemen
ebenso allein gelassen werden wie sie selbst.
Untertauchen!
Bequeme oder schlechte
Schüler können in einer großen, unübersichtlichen
Schülerzahl erheblich leichter untertauchen als in
einer kleinen, gut überschaubaren Klasse. Und analog
zur Schul- und Klassengröße gilt ebenso für
Lehrer: Je größer das Lehrerkollegium, desto
einfacher verschwindet die einzelne Lehrkraft unauffällig
in der Anonymität. Während sich in kleinen Schulen
das Kollegium untereinander kennt und Faulheit wie auch
Fehlverhalten sofort auffallen, ist dies an großen
Schulzentren nicht der Fall. Kein Zufall, daß sich
Pädagogen mit „eingeschränkter Motivation“
an solchen Massenschulen konzentrieren! Doch Lehrer wechseln
die Schule nicht immer freiwillig, sondern können nach
einem Fehlverhalten auch zum Wechsel veranlaßt werden,
z. B. wenn sie an einer bestimmten Schule untragbar geworden
sind. In der Anonymität der großen Schulzentren
finden dann auch jene, die wegen ihres Beamtenstatus nicht
entlassen werden können (aber dennoch weiterhin auf
die Schüler losgelassen werden), einen passenden Unterschlupf.
Selbst wenn erhebliche Qualitäts- und Charaktermängel
vorhanden sind, fallen diese dort sehr viel später
auf als an jeder kleineren Schule. Und wenn behauptet wird,
daß „Massenschulen schlechte Lehrer anziehen
wie der Käse die Fliegen“, ist dies vielleicht
zu drastisch ausgedrückt, doch keinesfalls substanzlos!
pdf
/ A104 / 16.10.08
| www.schulkritik.de
(16.10.08)
Bausünden von gestern und Landflucht
von heute
Ursachen
der Bildungsmisere (Teil 3)
Die Behebung des deutschen Bildungselends
ist schwierig, weil zahlreiche Ursachen gleichzeitig
wirken und das Gesamtproblem durch einzelne Maßnahmen
nicht zu lösen ist. Überlagert wird das
Ganze durch eine Vielzahl von Forderungen und Ablenkungs-Maßnahmen,
die zu keinen oder nur geringen Verbesserungserfolgen
führen. Verantwortung wird in einem Netz von
Hierarchien und Zuständigkeiten hin- und her
geschoben.…weiter…
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| www.lehrerkritik.de
(16.10.08)
Lärm im
Klassenzimmer
In deutschen
Schulen ist es überwiegend zu laut!
Eine Lärmbelastung von
unter 55 Dezibel ist nach Ansicht von Arbeitswissenschaftlern
die obere Grenze für geistige Arbeiten im Büro.
In den meisten deutschen Klassenräumen erreicht
der Lärm bis 75 Dezibel…weiter… |
| www.elternkritik.de
(16.10.08)
„Geschützte Grausamkeit”
statt „körperlicher Folter”?
Lehreraggressionen
gegen Schüler (Teil 1)
Agressives Verhalten von Schülern
ist ein zentrales Thema der Lehrerausbildung. Lehrer
müssen lernen, Ursachen und Auslöser aggressiver
Verhaltensweisen einzuschätzen und verantwortlich
zu reagieren. Daß jedoch auch Lehrer ihre eigenen
Aggressionen an Schülern auslassen, wird allzu
selten thematisiert.…weiter…
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